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Werke

Bran & Sceolan
Ein keltisches Spiel um Gedächtnis und Erinnerung

Memory & Orakel
Veröffentlichung: 2007
Arun Verlag, Uhlstädt-Kirchhasel
ISBN 978-3-935581-62-2
Idee: Daniel Junker, Illustration: Carolin-Ina Schröter, Konzeption & Text: chrismegan
100 Karten mit 50 Motiven und 32seitiges Beiheft
Die 100 Motivkarten (= 50 Kartenpärchen) sind aufgeteilt in 5 Gruppen: Welten (2), Oghams (keltische Schriftzeichen aus dem Baumalphabet) (25), Götter (9), Jahreszeitenfeste (8) und Krafttiere (6).

Der irische Hochkönig Fionn hält Hof auf seiner mächtigen Weißen Burg. Viel Volk ist hier anzutreffen: Elben und Feen, Zwerge und Kobolde – auch Menschenvolk hilft ihm, schützend seine Hand über das Reich zu halten.
Immer dabei sind seine zwei wind-schnellen Jagdhunde Bran, der Fänger, und Sceolan (Sholan ausgesprochen), der Bringer.
Die treuen Freunde Bran und Sceolan eilen durch das Reich des Königs Fionn.
Dabei tauchen sie ein in die 2 Welten, entdecken 25 Ogham-Symbole, begegnen 9 Göttern, feiern die 8 Jahreszeitenfeste und verfolgen 6 Krafttiere.

Die 50 Motive sind in 5 Gruppen unterteilt, so dass die Anzahl der Karten dem Alter der Kinder angepasst werden kann. Für kleine Kinder z.B. empfiehlt es sich, nur 2 Gruppen zu nehmen, während ältere Kinder oder Jugendliche mit allen Motiven zusammen spielen können.

Die 25 Ogham-Karten können auch in vereinfachter Form zum Orakeln verwendet werden.

Bran & Sceolan – Die ganze Geschichte, oder:
Die Wahrheit schmilzt jeden Zauber

Sie waren die Lieblingshunde Fionn mac Cumhails des heldenhaften Königs auf Almhuin (Allen ausgespr.), der Weißen Burg. So weise und wissend waren diese Vierbeiner, dass viele glaubten menschliche Gedanken durchfluteten ihren Geist und genauso war es auch. Ein Wunder, und so hat es sich vor langer, langer Zeit zugetragen:

Eines Tages kam Muirna, Fionns Mutter, mit ihrer sanften Schwester Tuira auf die Weiße Burg. Dort wollten sie einen Sommer lang verweilen und nach einem Gemahl für die gute Seele von Fionns Mutterschwester Ausschau halten.

Almhuin war das Heimatlager der Fianna, jener wilden Beschützer Erius, die ihrem Land und seinem Volk ewige Treue geschworen hatten. Auch viele Frauen leisteten bei ihnen ihren Dienst, wie die flinke Botschafterin Cronachan. Selbst Herrscher aus anderen Königshäusern kamen immer wieder, um sich das Schauspiel dieses Zusammenlebens auf der Burg anzusehen oder wenn sich die edlen Recken miteinander in so manchem Wettkampf maßen. Bald darauf hatte einer der hohen Herren nicht mehr nur Augen für die Kampfspiele, sondern auch für die edle Tuira. Seine Name war Iollan Eachtach. Er war der Herr eines Königshauses, hoch oben im Norden Erius, von Ulster.

Fionn und Iollan waren gut befreundet und so betrachtete der König der Weißen Burg das zarte Band, das beide immer mehr und mehr zusammenflocht, mit Wohlwollen.

Dann in einer frühlingszarten Beltaine-Nacht, die Feuer loderten hoch, die Musik pochte in den Adern der Menschen, sprangen Tuira und Iollan gemeinsam durch die Flammen und verschwanden lachend im Wald.

Es dauerte nicht lange, da bat der König aus dem Norden seinen Freund Fionn mac Cumhail um ihre Hand.

Fionn stimmte gern zu, doch hing er auch sehr an Tuira und wollte, dass es ihr auf jeden Fall auch droben im windigen Ulster gut ginge.

So ließ er Iollan in Anwesenheit seines Sohnes Oisin und seiner treuesten Kämpen, Coll und Lugaid auf seine Ehre schwören, Tuira immer zu ehren und zu achten, ihr nie Schaden zuzufügen, immer für sie zu sorgen und sie aus jeder Gefahr zu erretten. Noch wusste er nicht, wohin ihn dieser Schwur bringen würde.

Darauf fand ein großes Fest statt und Tuira und Iollan wurden feierlich miteinander vermählt. Beim Abschied sagte Fionn seiner Mutterschwester, wenn sie zu unglücklich dort droben sei oder zu sehr vom Heimweh geplagt, sei sie jederzeit gern wieder auf der Weißen Burg willkommen. Dort werde immer ein Teller an ihrem Platz für sie bereitstehen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge winkte ihr der Neffe nach. Einige Tage später erreichte der Zug die Burg des edlen Iollan und bald schon hatte sich die junge Frau dort eingelebt.

Tagsüber ritt sie durch die Berge und Täler, um ihr Land besser kennen zu lernen. Abends am Feuer spielte sie die Harfe zur Freude des ganzen Hofes.

Alles schien gut zu sein und doch geschah es, dass Iollan auf einer seiner vielen Jagden eine Sidhé, ein Anderswelt-Mädchen, kennengelernt hatte. Eine zarte Elbenfee, Uchtdealb war ihr Name, die sofort in großer Liebe zu ihm entbrannte. Es dauerte nicht lange und sie erfuhr von der jungen Ehe ihres Angebeteten. Dunkle Gedanken verfinsterten ihr hübsches Antlitz. Eifersucht bitterte ihr Herz und bald fanden wir sie mit ihrem verhängnisvollen Schwarzdorn-Stab auf dem Weg zur Burg des Iollan. Ihr müsst wissen, der Schlehdorn birgt die größte Magie in sich, lichte Kräfte und finsteres Unheil ist gleichsam in ihm verborgenen und wird sich entfalten, so jemand die Worte der Großen Kunst ausspricht.

Auch Uchtdealb war in jener Kunst bewandert. Und nicht nur in dieser. Mit großem Wissen und Geschick vermochte sie sogar ihre Gestalt zu verändern. Hilfreich war ihr dies für ihren hinterhältigen Plan. Denn Uchtdealb war es, die in Gestalt von Fionns Botschafterin Cronachan bei Tuira vorstellig wurde. Unwissentlich ließ die junge Königin so vertrauensvoll das Unheil in ihr herrschaftliches Heim. Am warmen, knisternden Feuer erzählte sie ihr von Fionn und der alten Heimat, dass er sie besuchen komme und sich wünschte, dass Tuira ein großes Fest für ihn ausrichte. Ach, wie erfreut unsere Königin da war. Die falsche Botin aber lenkte die junge Frau unter dem Vorwand nach draußen, mehr sehen zu wollen von ihrem schönen Land und seinen Wundern. Immer weiter und weiter schlenderten sie fort von der sicheren Burg und als sie ganz hinter einem Hügel verschwunden waren, da zeigte die Elbenfee ihr wahres Gesicht. Mit einem schnellen Streich ihres Schwarzdorn-Stabes streifte sie die erstaunte Tuira und flüsterte die Zauberworte: „Alethia, ag fillead ar do dúcas“ und das bedeutet „Wahrheit kehre heim zu deinem Ursprung“.

Was für ein Jammer!

Augenblicklich schien sich die Gestalt Tuiras aufzulösen und zu schwinden. Im Nebel der Zeit aber blieb nur ein sanftes, freundliches Hundemädchen zurück. Tuira, nun den Menschen entrissen, trug doch in ihrem hündischen Erscheinungsbild das Wissen und die Sanftheit einer warmherzigen Frau. Von den Höhen Ulsters lockte die Sidhè die feine Hündin bis an die Gestade Gaillimhs zum alten Fergus Fionnliath, dem König über das Wasser. Nicht ohne Grund hatte die Elbin ausgerechnet diesen Mann ausgesucht, denn nichts hasste er mehr als Hunde. Und wieder wurde sie in der Gestalt von Fionns Botschafterin vorstellig. Sie teilte dem edlen Herrn mit, Fionn wünsche, dass er sich dieser Hündin annehme, um eine gute Jagdhündin aus ihr zu machen. Achtsam und gut solle er sie behandeln und gut auf sie achtgeben, da jenes Tierchen trächtig sei. Er möge sie also bei der Jagd schonen, sobald ihre Zeit gekommen sei.

Nach diesen Worten entschwand die Sidhé wieder und überließ Tuira ihrem sonderbaren Schicksal. Seltsam fand Fergus den Gedanken, dass dieser Gefallen ausgerechnet an ihn herangetragen wurde, doch er hatte große Ehrfurcht vor Fionn mac Cumhail und so tat er sein Bestes. Die kleine Hündin aber war so flink, gehorsam und schlau, dass sich seine Ansichten über Hunde bald zur Gänze änderten und er jene fortan abgöttisch liebte, die er vorher so verabscheut hatte. Währenddessen wurde auch Fion zugetragen, dass seine Mutterschwester verschwunden sei. Sogleich sandte er Boten zu Iollan aus, der alsbald am Hofe eintraf. Doch mit einer Aufklärung des Verschwindens konnte er nicht dienen. Der Ulsterkönig konnte nur berichten, dass Tuira fort sei und er selbst, obwohl er sie lange gesucht habe, auch nicht finden konnte. Mit grimmen Bauchschmerzen dachte er an das Versprechen, dass er Fionn vor den Augen von Oisin, Coll und Lugaid gegeben hatte. Viel zu schnell waren sie zur Stelle und machten sich mit ihm auf den Weg, die verlorengegangene Königin zu suchen. Mit einem großen Gefolge drehten sie jeden Stein um, erwanderten sie jedes Tal und jeden Hügel Erius. Allein seine Gemahlin blieb unsichtbar. In all seiner Not wandte er sich an seine Andersweltmaid Uchtdealb und erzählte ihr von den Gefahren, die ihn erwarteten, wenn Tuira nicht wieder heimkehren würde. Leise lachte die Sidhé in sich hinein und versprach Iollan, sie zu suchen und auch zu finden, wenn er ihr seinerseits ewige Liebe und ein gemeinsames Leben verspräche. So geschah es. Uchtdealb ging zum Hause des Fergus und als ihr die sanfte Hündin tief in die Augen schaute, berührte sie diese mit einem Weißdorn-Zweig und sagte: „Alethia, athnim tusa!“ und das bedeutete „Wahrheit, ich erkenne dich wieder!“. Kaum hatten die Worte ihre Lippen verlassen, wandelte sich Tuira wieder in ihre menschliche Gestalt. Tränen liefen von ihren Wangen und mit trauriger Stimme rief sie: „Bran, Sceolan, meine Kinder, wo seid ihr?“

Da gab es ein lautes Gebell und aus dem Haus tobten zwei junge Welpen. Eines, ein vorwitzig schwarz-weiß Geschecktes, stürzte sogleich auf seine Mutter zu. Darauf folgte sogleich ein Weißgraues mit gelben Pfoten, das sich sanft an die Beine seiner Mutter schmiegte. Wie bitterlich weinte da die Frau und kniete sich nieder. Flehend blickte sie zu der Zauberkundigen auf und sagte:“Nun, da du mich gerettet hast, die du doch verfluchtest, rette auch meine Kinder. Denn noch viel weniger als ich, können sie für ihr Schicksal.“

Doch die verbitterte Uchtdealb sprach kalt zu der Mutter: „Dich konnte ich retten, weil ich dich verzaubert habe, nicht aber so deine Kinder, denn sie habe ich nicht verflucht und sie werden auf immer sein müssen, was sie jetzt sind. Sei froh, denn so wird ihnen das Schicksal eines verräterischen Menschen erspart bleiben. Du aber sollst fortan in Glück leben und keinen Schaden mehr erleiden. Denn Iollan wird nun bald mir gehören und du wirst frei sein für einen ehrenwerteren Mann.“

So sprach die Anderswelt-Frau und ging von dannen.

Tuira aber nahm ihre Welpen-Kinder und zog zur Burg Fionns und welche Freude war das, als er seine Tante wieder in die Arme schließen konnte. Schnell waren die Bande zu Iollan durchtrennt und an Samhain schon schmiegte sich Tuira an die Schulter des getreuen Lughaid. Frieden kehrte ein in das Herz der tapferen Frau.

Bran und Sceolan aber, ihre beiden hündischen Söhne, lebten fortan am Hofe Fionn mac Cumhails und nie wichen sie von der Seite des Königs, bis andere Abenteuer sie riefen.

Die Wahrheit schmilzt jeden Zauber.
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